|
Mit Beiträgen "Zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung pädosexueller Patienten" und "Erfolgreiches Krisenmanagement für die Entziehungsanstalt?". Der Artikel "Der Nutzen standardisierter Risikoprognoseinstrumente für Einzelfallentscheidungen in der forensischen Praxis" von Andrej König kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Originalbeiträge
Rechtsprechung
- BVerfG-Beschluss v. 02.12.2009 – 1 BvR 2797/09: Rechtliches Gehör im Betreuungsverfahren (Anmerkung Rolf Marschner)
- BGH-Beschluss v. 13.01.2010 – XII ZB 248/09: Gefahrbegriff bei zivilrechtlicher Unterbringung
- BAG-Beschluss v. 28.05.2009 – 6 AZN 17/09: Prozessfähigkeit im arbeitsgerichtlichen Verfahren und Betreuungsrecht
- OLG Stuttgart-Beschluss v. 24.09.2009 – 8 W 96/09: Voraussetzungen der Zwangsbehandlung eines untergebrachten Betreuten
- BGH-Beschluss v. 10.11.2009 – 5 StR 413/09: Fehlerhaftes Unterbleiben einer Unterbringungsanordnung
- OLG Naumburg-Beschluss v. 15.01.2010 – 1 Ws 9/10: Anhörung des Untergebrachten durch die gesamte StVK; Anhörung der Verfasser eines Gutachtens
- OLG Hamm-Beschluss v. 15.12.2009 – 3 Ws 485/09: Weisungen zur Führungsaufsicht; Bestimmtheitsgebot
- OLG Köln-Beschluss v. 11.12.2009 – 2 Ws 515/09: Aussetzung der Sicherungsverwahrung ohne Erprobung in Lockerungen
- LG Leipzig-Beschluss v. 04.11.2009 – I StVK 682/09: Erstattungsfähige Kopien der Verteidigung in der Maßregelvollstreckung
- VG Aachen-Beschluss v. 18.03.2010 – 6 L 28/10: Langfristige polizeiliche Observation Haftentlassener
- Rechtsprechung in Leitsätzen
Buchbesprechungen
Andrej König: Der Nutzen standardisierter Risikoprognoseinstrumente für Einzelfallentscheidungen in der forensischen Praxis
Standardisierte Risikoprognoseinstrumente erfreuen sich sowohl in der Praxis als auch in der forensischen Forschung einer zunehmenden Beliebtheit. Aufgrund methodischer Probleme ist jedoch der praktische Nutzen von Risikoprognoseinstrumenten für die individuelle Vorhersage delinquenten Verhaltens fraglich. Ziel dieser Übersichtsarbeit ist es, grundlegende methodische Schwierigkeiten – wie die Problematik der geringen Basisraten von Delinquenz, die Area under the Curve als Goldstandard in der Risikoprognoseforschung und die Heterogenität der Ausgangsstichproben – zu beschreiben und deren Auswirkungen auf Einzelfallentscheidungen kritisch zu diskutieren. Ab welcher empirisch bestimmten Rückfallwahrscheinlichkeit ein Individuum als »hoch«, »moderat« oder »niedrig« gefährlich anzusehen ist, wird dagegen immer eine politische, juristische und ethische Frage bleiben, die sich auf dem statistischen Weg nicht beantworten lassen wird. Schlüsselwörter: Risikoprognoseinstrumente, prädiktive Validität, Normkriterien, Rückfälligkeit Usefulness and practicality of structured risk assessment instruments in forensic psychiatry Using structured risk assessment instruments to predict criminal offences in individual cases has several methodological limitations. Nevertheless actuarial risk assessment instruments enjoy an increase in popularity in research and forensic practice. This review highlights and discusses general difficulties in forensic research concerning low base rates of delinquency, the area under the curve as the gold standard in risk prediction research and the problem of heterogeneous samples, with regard to individual risk prediction. To determine the relapse probability as »low«, »medium« or »high« will always be a political, legal and ethical question. Statistics are unlikely to resolve this problem. Key words: Risk assessment instruments, predictive value, relapse prevention, forensic psychiatry
Michael Stiels-GlennZur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung pädosexueller Patienten
Die Arbeit befasst sich mit der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung von Sexualstraftätern, insbesondere von Pädophilen, durch Vertragspsychotherapeuten der Gesetzlichen Krankenversicherung. Im Rahmen einer Masterarbeit wurde eine Befragung der Vertragspsychotherapeuten in der Großstadt Essen zu ihrer Behandlungsbereitschaft durchgeführt. Bei hoher Rücklaufquote ist die Bereitschaft zur Behandlung äußerst gering; die Hälfte der antwortenden Therapeuten begründete ihre Haltungen mehr oder weniger ausführlich. Die Ergebnisse fordern praktische und ethische Schlussfolgerungen. Schlüsselwörter: Sexualstraftäter, ambulante Psychotherapie, Versorgungsforschung, Widerstände bei Therapeuten, gesellschaftliche Diskurse The availability of outpatient psychotherapy for paedophiles in Germany There are doubts about the availability of outpatient treatment for sexual offenders, especially for paedophiles. In this survey, all psychotherapists working in the public health insurance system based in Essen (Germany) were asked, whether they were willing to treat sexual offenders. Although a high percentage of questionnaires were returned, the author found very little willingness to treat these patients. Half of those therapists who replied justified their refusal to some degree. The results challenge the professional community for ethical and practical consequences. Key words: Sexual offenders, psychotherapy, outpatient care, health care research, public discourse
Andrea Kemper: Erfolgreiches Krisenmanagement für die Entziehungsanstalt? Eine erste Bilanz zu den Auswirkungen der Maßregelrechtsreform 2007
Das »Gesetz zur Sicherung der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus und in einer Entziehungsanstalt« sollte eine Lösung für die drängende Situation des § 64-Maßregelvollzuges bieten. Kapazitäts- und kostenorientiert sollten künftig die knappen Ressourcen geschont, Einweisung- und Belegungszahlen reduziert und durch eine effizientere Nutzung der Therapieplätze die Unterbringung gem. § 64 StGB insgesamt erfolgreicher gestaltet werden. Rund zweieinhalb Jahre nach Inkrafttreten der Reform wird untersucht, inwieweit die Reformänderungen in der Justiz- und Maßregelvollzugspraxis angekommen sind. Die erste Bilanz macht deutlich, dass von einem durchschlagenden Erfolg derzeit nicht die Rede sein kann. Schlüsselwörter: Maßregelrechtsreform, Maßregelvollzugs-praxis, Rechtsprechung, Entziehungsanstalt Reform of forensic addiction treatment in Germany – successful crisis intervention for addiction centres? A new law on »safeguarding detention in psychiatric hospitals and addiction centres« was supposed to solve the immediate problems in Germany’s forensic addiction treatment centres. Contingency management and effective use of resources were intended, with the aim of reducing overcrowding in these centres. Two and a half years later, the author investigates the impact of the reforms on day-to-day judicial and clinical practice concerning those individuals dealt with under section 64 of the German penal code. The results suggest rather moderate effects. Key words: Forensic psychiatry, addiction, penal code, Germany
|